KARIERTES LAND
Vergangenheit
Im 18. und 19. Jh. waren Fachwerkbauten das dominierende Element in der ländlichen Landschaft Pommerns. In Gefache der Holzkonstruktionen von Gebäuden wurden Dielen eingesetzt, die mit Strohsträngen umwickelt und mit Lehm beworfen wurden. Die Oberfläche der Gefache wurden weiß getüncht und die Holzbalken mit Teer gesichert. Auf diese Weise wurden Wohnhäuser, Wirtschaftsgebäude, Schmieden, Schulen, Kirchen und Gutshäuser gebaut, von denen sich viele bis heute in vielen Gemeinden an der Ostseeküste (Darłowo/Rügenwalde, Sławno/Schlawe, Malechowo/Malchow, Postomino/Pustamin, Ustka/Stolpmünde, Słupsk/Stolp, Kobylnica/Kublitz, Smołdzino/Schmolsin, Wicko/Vietzig) erhalten haben. Derartige Bauweise war auch sichtbares Element der architektonischen Landschaft pommerscher Städte und Kurorte (Słupsk, Sławno, Darłowo, Ustka, Jarosławiec/Jershöft). Ganz Nordeuropa, insbesondere die Ostseestaaten, war in dem besprochenen Zeitraum in architektonischer Hinsicht ähnlich. Die symmetrische Anordnung der Fachwerkkonstruktion und die weiß getünchten Gefache ließen Gebäude wie ein Gitterwerk aussehen, daher hat auch das Gebiet, wo sich große Zentren dieser Bauweise erhalten haben, den Namen „Kariertes Land“ bekommen.
Heute lassen sich die Grenzen des „Karierten Landes” nicht mehr genau bestimmen. Man nimmt an, dass sie im Küstengebiet auf einer Strecke von 80 km von Leba in westliche Richtung bis nach Darłowo verlaufen und bis 40-50 km ins Landesinnere reichen. Im Süden sind sie durch die Landstraße A6 Szczecin/Stettin-Gdańsk/Danzig begrenzt. Diese Grenzen sind jedoch fließend, denn die traditionelle Bauweise, die das „Karierte Land“ charakterisiert, umfasst auch einen beträchtlichen Teil der Woiwodschaft Westpommern in Richtung Szczecin, im Süden hauptsächlich entlang der oben erwähnten Landstraße A6 Szczecin-Gdańsk.
Die in Pommern vorherrschenden Dorftypen waren: Anger-, Rund- und Straßendörfer. Viele von diesen Dörfern haben bis heute ihre ursprüngliche Form beibehalten.
Hauptbestandteil eines pommerschen Dorfes des 19. Jh. war ein viereckiges Gehöft, dessen Wohnhaus hinten im Hof stand und mit der Frontwand zur Straße hin gerichtet war. An seinen beiden Seiten wurden eine Scheune und ein Stall gebaut, und der ganze Hof schloss von der Straßenseite her ein Torgebäude ab. Mancherorts kamen auch Gehöfte ohne Torhaus vor.
In den Gebieten, in denen es fruchtbaren Boden gab, waren die Wohnhäuser größer, verfügten gewöhnlich über ein Obergeschoss und im Dach befanden sich zwei Stockwerke, die zu Wirtschaftszwecken genutzt wurden. In solchen Gehöften hatten auch Stall- und Wirtschaftsgebäude große Ausmessungen, der Fläche des Ackers angepasst. Es gilt für die westlich vom Fluss Słupia/Stolpe gelegenen Gebiete (Dörfer Swołowo/Schwolow, Starkowo/Starkow, Możdżanowo/Mützenow, Bruskowo Wielkie/Groß Brüskow, Bierkowo/Birkow), wo hauptsächlich fruchtbare Weizen- und Rübenböden und große Bauernhöfe dominieren. Die erwähnten Dörfer gehen auf mittelalterliche Siedlungsaktionen zurück, haben ihre ursprüngliche räumliche Anordnung beibehalten und wurden Jahrhunderte lang kontinuierlich besiedelt.
Etwas anders sah die Situation östlich vom Fluss Słupia aus, wo Großgrundbesitz mit Gutsdörfern überwog sowie mit Dörfern, die infolge Landaufteilungsaktionen entstanden sind. In der hiesigen Dorfarchitektur ist sichtbar, dass die Größe der Häuser und Wirtschaftsgebäude von der Fläche des landwirtschaftlichen Betriebs und der Fruchtbarkeit des Bodens abhängig ist.
Äußerst interessant ist auch in diesem Gebiet die Architektur der pommerschen Adelsgüter. Es handelt sich um Schlösser und ihre Parkanlagen. Die meisten sind gemauert, nur in Wirtschafts- und Stallgebäuden lassen sich Fachwerkelemente feststellen. Historischen Quellen und mündlichen Überlieferung zufolge waren die Herrensitze früher aus Fachwerk gebaut. Das einzige, bis heute erhaltene Objekt dieser Art im Gebiet des „Karierten Landes“ ist das Gutshaus in Swochowo/Schwuchow aus dem 18. Jh., das von den früheren Besitzern „Alt Kloster“ genannt wurde. Gegen Ende des 19. Jh. hat der Gutsbesitzer einen neuen gemauerten Sitz mit Fachwerkelementen errichten lassen, im alten Haus wurden 4 getrennte Wohnungen für Landarbeiter eingerichtet. Das Haus besitzt bis heute eine originelle Feueranlage mit einem kuppelförmigen Schornstein und einem Zeltdach (heute mit rostendem Blech gedeckt). Von der alten Schlossanlage ist ein Gesindehaus erhalten geblieben, heutzutage gemauert mit Fachwerkelementen.
Die Sakralarchitektur im Karierten Land wird durch einige im Stil der Gotik angelegte Kirchen repräsentiert. Bis heute sind hauptsächlich Türme erhalten geblieben, Schiffe stammen aus späteren Zeiten, manchmal sogar aus dem 19. Jh. Diese Kirchen wurden aus Ziegeln und Feldsteinen gebaut und von einer Steinumfriedung und alten Bäumen umgeben. Daneben befanden sich Friedhöfe. Nur manche Kirchen wurden aus Holz in Fachwerkkonstruktion errichtet. Gegenwärtig können wir solche Bauwerke im Dorf Krupy/Grupenhagen (ca. Mitte des 16. Jh.), Objazda/Wobesde von 1607 und spätere aus dem 18 Jh. in Charnowo/Arnshagen, Staniewice/Stemnitz und Wytowno/Weitenhagen antreffen.
Von der alten Wirtschftsarchitektur aus Fachwerk, haben sich bis heute wenige Objekte erhalten. Es sind Mühlen in Zamełowo/Samelower Mühle, Starkowo/Starkow, Bydlino/Bedlin, Kobylnica/Kublitz, Czarny Młyn/Schwarz Mühle bei Bukowo/Buckow. Sie sind außer Betrieb und großenteils verwahrlost. Bis vor kurzem wurde die hiesige Dorfarchitektur durch alte Fachwerkschmieden bereichert.
Interessante Merkmale alter Fachwerkbauweise, gewöhnlich aus dem 19. und der ersten Hälfte des 20. Jh., sind teilweise in den Kur- und Erholungsorten an der Ostseeküste zu sehen. In den alten Ficherdörfern, die gegenwärtig gewöhnlich zu Erholungszwecken dienen (z.B. Jaroslawiec, früher auch in Rowy), haben sich viele alte Katen und ganze Gehöfte erhalten. Ein anderes Beispiel ist Ustka. Neben den alten Fischerkaten entstanden in den 20er Jahren an der Promenade ein paar größere Erholungsheime und Villen, die ganz oder teilweise aus Fachwerk errichtet worden sind.
In den Dörfern des “Karierten Landes” ist der Anteil der nach 1945 neu errichteten Gebäude heutzutage gering. Dadurch konnten diese Dörfer ihre historische räumliche Anordnung und Bauweise beibehalten. Dr. Elżbieta Szalewska schätzt die Zahl der in dem Küstengebiet zwischen Łeba und Darłowo noch vorhandenen Fachwerkgebäude auf ca. 1500, darunter in Swołowo – 70; Stary Jarosław/Alt Järshagen – 69; Bierkowo – 52; Krzemienica – 51; Starkowo – 50; Wodnica/Hohenstein – 40; Włynkówko/Neu Flinkow – 40; Bruskowo Wielkie - 39, Możdżanowo – 38; Krupy – 38; Pęplino/Horst – 35; Gałęzinowo/Überlauf – 32; Duninowo/Dünnow – 26; Charnowo – 32; Wierzbięcino/Friedrichshof – 25; Łącko/Lanzig - 22, Kobylnica – 15; Strzelino/Groß Strellin – 15; Kluki/Klücken - 12. Eine so große Ansammlung historischer Dorfarchitektur - ohnegleichen in Europa - hebt den einmaligen Charakter dieser Region hervor, stärkt ihr Potential und schafft große Möglichkeiten für kulturelle und touristische Aktivitäten.
Wenn man über den spezifischen Charakter des „Karierten Landes“ spricht, müssen auch Klima und Natur erwähnt werden, mit denen die einheimische Fachwerkarchitektur eng zusammenhängt. Das Seeklima unterscheidet sich beträchtlich von dem im Landesinneren. Es zeichnet sich durch langen Herbst, kurzen Winter, starke, überwiegend nordwestliche Winde sowie die in Polen niedrigsten Jahrestemperaturamplituden aus. Westlich vom Fluss Slupia kommen fruchtbare Braunerden vor; leichtere und schwache Böden gibt es in der Gemeinde Smołdzino und teilweise in der Gemeinde Słupsk. Die Tiefebene an der Ostseeküste weist Wiesen mit reichem Torfvorkommen auf. Ihre Landschaft ist von Stränden, Dünen, Mooren sowie ausgedehnten und seichten Seen, wie Łebsko/Leba See, Gardno/Garder See, Wicko/Vietzker See, Kopań/Vitter See, Bukowo/Buckower See geprägt. Das Gebiet durchfließen die in die Ostsee mündenden Flüsse Łeba/Leba Fluss, Łupawa/Lupow Fluss, Słupia/Stolpe, Wieprza/Wipper. Typisch für die Braunerden sind die hier vorkommenden Buchen- und Eichenwälder sowie der fürs Tiefland charakteristische Buchenwald. Schwächere Böden werden von Kieferwäldern mit Krähenbeeren bestanden.
Einmalig in Europa ist der 1967 gegründete Slovinzische Nationalpark mit Wanderdünen. Die für den Menschen günstigen Klima- und Naturverhältnisse und die alte Dorfarchitektur bilden gute Voraussetzungen für aktive Erholung und Tourismus.












