KARIERTES LAND
Gegenwart
Die Benennung „Kariertes Land” ist bei Gelegenheit der am 18. Januar 1995 vom Verein der Denkmalpflege und Dr. Elżbieta Szalewska organisierten Fotoausstellung aufgekommen. Die erste Präsentation fand im Sitz des EMPIK, des Internatonalen Presse- und Buchclubs in Słupsk statt, in dessen Räumen Fotogramme, die die Schönheit der traditionellen Bauweise in pommerschen Dörfern zeigten, ausgestellt wurden. Die Ausstellung hat reges Interesse gefunden und die Benennung „Kariertes Land“ ist seitdem im Bewusstsein der Menschen verankert.
In den darauf folgenden Jahren hat man Möglichkeiten wahrgenommen, wie dieses Gebiet für die touristisch-wirtschaftliche Entwicklung der Region zu nützen ist. Eines der Dörfer mit höchstem Potential ist das 14 km von Slupsk entfernte nahe der Landstraße nach Darłowo gelegene Swołowo. Das Dorf hat ca. 70 erhaltene alte Gebäude und - seit dem Mittelalter- unveränderte räumliche Anordnung (als Angerdorf). 1997 wurde Swołowo für das Programm Phare Tourin II angemeldet. In seinem Rahmen wurden u.a. das Gelände innerhalb des Dorfkerns für den Bedarf der Einwohner erschlossen, der Teich und der Parkplatz am Dorfeingang bewirtschaftet, Schilder mit einer geschichtlichen Beschreibung an jedem der historischen Gehöfte angebracht, Schulungen und Vorführungen zu Sanierung von Gebäuden mit Ankauf von Baumaterialien veranstaltet. Es wurde auch Werbematerial für den Ort herausgegeben und er selbst mit dem Namen der „Hauptstadt des Karierten Landes“ genannt.
Der touristische Markenprodukt „Kariertes Land” war einer der ersten in der Woiwodschaft Pommern. Geschaffen wurde er von Dr. Elżbieta Szalewska und Dr. Janusz Majewski (Manager für landtouristische Markenprodukte) im Rahmen des Vereins für landtouristische Markenprodukte „Słupia“ in Zusammenarbeit mit dem Woiwodschaftsamt in Słupsk und lokalen Selbstverwaltungsorganen von 4 Landgemeinden: Postomino, Słupsk, Ustka und Smołdzino. Die Schaffung dieses Produkts wurde in die „Entwicklungsstrategie der Woiwodschaft Pommern“ vom 3. Juli 2000 (Zielsetzung 2.4.) und in den „Bewirtschaftungsplan der Woiwodschaft Pommern“ vom 30. September 2002 aufgenommen. Der Plan setzt die Vermarktungsförderung von Markenprodukten der Region (hier wird als Beispiel das „Karierte Land“ genannt) und die Schaffung von neuen Markenprodukten voraus.
Die Vermarktungsförderung des landtouristischen Markenprodukts „Kariertes Land” begann 1988 mit dem Erwerb von Mitteln für Schulungen von „Leaders für Landtourismus“ aus dem Programm „Agrolinia 2000“. Das nächste Projekt betraf die „Ausschilderung von ländlichen Radwegen, Natur- und Kulturobjekten“. Ein Routenkonzept wurde von E. Szalewska und R. Nastalski ausgearbeitet. Das Ziel des Projekts war die Entwicklung des Tourismus auf dem Lande in Mittelpommern durch Entwicklung von ungewöhnlichen Markenprodukten. Die Mittel zur Umsetzung des Projekts stammten aus Zuwendungen des Marschalls der Woiwodschaft Pommern, des Wirschtaftsministeriums und lokaler Selbstverwaltungsorganen. Diese Mittel reichten aber nicht aus, um ein komplexes Markenprodukt zu schaffen.
Im Rahmen dieses Projekts wurden Werbeposter und -faltblätter für das „Karierte Land“ herausgegeben, das Gebiet dieses Markenprodukts mit Schildern mit seinem Logo gekennzeichnet, an historisch wertvollsten Objekten Informationstafeln aufgestellt und der entlang der Küste verlaufende Hanse-Weg (darunter auch teilweise die „Route entlang der Stillgelegten Gleise“) ausgeschildert.
In den Folgejahren hat der Verein für landtouristische Markenprodukte „Słupia“ weitere Maßnahmen zur Förderung des Markenprodukts unternommen, hauptsächlich durch Veröffentlichung von Prospekten über das „Karierte Land“ sowie durch Trassierung und Ausschilderung von neuen Radwegen. Bis 2005 wurden folgende Radwege trassiert: „Szlak Eryka I.”, „Wzniesienia Barzowickie”, „Wicie”, „Rusinowo”, „Równina Sławieńska”, „Droga Książęca”, „Dolina Moszczeniczki”, „Dolina Wieprzy”, „Do stacji Gabel”, „Szlak Kolejowy”, „Szlak Mikołajkowy”, „Szlak Jantarowy”, „Szlak Zwiniętych Torów”, „Szlak Słowińców”, „Szlak Czołpiński”, „Wierzchocińskie Jałowce”, „Pierścień Gryfitów”. Ihre Gesamtlänge beträgt 374 km.
Betonenswert ist auch das Engagement der Lokalbehörden bei der Entwicklung von Dorftourismus. Ohne ihre Beteiligung wäre es unmöglich, eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen. Die lokalen Selbstverwaltungsorgane sollten Initiativen ergreifen, um nach dem Prinzip einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und privaten Sektor Investoren zu gewinnen. Es ist möglich, wenn die Woiwodschaft, Kreise und Gemeinden über ein gut ausgebildetes Personal, eine vorbereitete Entwicklungsstrategie und lokale Raumordnungspläne verfügen.
Ein sehr wichtiger Faktor bei der Entwicklung des Markenprodukts „Kariertes Land” sind die Aktivitäten des Mittelpommerschen Museums. Das Ziel der unternommenen Vorhaben ist der Schutz des Kulturerbes dieser Gegend durch die beginnende Rekonstruierung des historischen Albrecht-Hofes aus dem 19. Jh. in Swołowo sowie den Ausbau und die Aktivitäten des Slovinzischen Dorfmuseums in Kluki.
Neben seinen starken Seiten, zu denen das Potential, eine relativ gute Promotion und Erkennbarkeit der Marke zählen, hat das Markenprodukt „Kariertes Land“ auch schwächere Seiten. Dazu zählen: Zustand und Aussichten auf die Erhaltung der historischen Bausubstanz sowie - ähnlich wie im ganzen Land - der schlechte Zustand der Straßen und Radwege. Notwendig ist auch zu erwähnen, dass in den letzten Jahren die architektonische Landschaft pommerscher Dörfer immer häufiger durch moderne Bauweise „zerstört“ wird. Die moderne Einfamilienbauweise auf dem Lande hebt sich oft in ihrer Form von der einheitlichen dörflichen Bebauung ab, die von den früheren Einwohnern hiesiger Gebiete entwickelt wurde und ausgezeichnet mit Naturverhältnissen und Gestalt der Oberfläche des „Karierten Landes“ harmonierte. Die Zusammenarbeit von örtlichen Behörden mit den Einwohnern, sowie von Denkmal- und Naturschützern, Regionalisten, Museumsmitarbeitern und allen anderen Gruppen, denen die Erhaltung dieses Kulturerbes wichtig ist, kann die Tendenz zum Abreißen und zum sinnlosen Verbauen historischer Gebäude umkehren. In diesem Kontext können Beispiele einiger von Privateigentümern renovierten Fachwerkgebäude, wie etwa in Bruskowo Wielkie, Swołowo, Starkowo, Łącko, Stary Kraków, Stary Jarosław optimistisch stimmen. Sie veranschaulichen, dass es bei einigem Einsatz und gutem Willen möglich ist, die historische Bausubstanz zu retten, indem man zur Erhaltung der Attraktivität des „Karierten Landes“ beiträgt.






