Albrecht-Hof

Grundriss des Vierkanthofes Nr. 8 in Swołowo

Die vom Mittelpommerschen Museum in Słupsk übernommenen Objekte, die den Bauernhof Nr. 8 in Swołowo bilden, stellen ein Beispiel für ein typisches Vierkanthof eines wohlhabenden Bauern, wie es u.a. im 19. und 20. Jh. in Pommern üblich waren, dar. Die Einfahrt in den geschlossenen Hof ist durch das Torhaus möglich, gegenüber hinten im Hof steht ein breitfrontiges Bauernhaus, das Ganze wird an beiden Seiten durch eine Scheune und ein Stallgebäude verbunden.

Pferde im Hof Nr. 8.
Zwischenkriegsjahre des 20 Jh.

Archivmaterialien weisen darauf hin, dass dieser Ort angestammter Wohnsitz (nachweisbar seit 1659) der Familie Albrecht war. Am 10. Mai 1934 wurden in dem unweit von Swolowo gelegenen Starkowo/Starkow in einem Festakt 131 pommerschen Familien, denen eine über 200jährige Sesshaftigkeit auf einem Gehöft nachgewiesen werden konnte, Ehrentafeln aus Eichenholz überreicht. Eine Ehrentafel hat auch Gerhard Albrecht mit Familie bekommen.

Aufgrund des Potsdamer Abkommens, das die Folge der Waffenentscheidungen des 2. Weltkrieges und der vom deutschen Nazi-Staat erlittenen Niederlage war, kam es u. a. in Pommern zu einem gigantischen „Bevölkerungswechsel“.

Nach 1945 wurden die meisten deutschen Einwohner nach Deutschland zwangsausgesiedelt, an ihre Stelle kamen Ansiedler aus verschiedenen Regionen Polens - auch aus den früheren östlichen Grenzgebieten der 2. Republik, die nach dem Krieg an den sowjetischen Staat gefallen waren.

Jan Kowalski (rechts), W. Radtke - der erste polnische Lehrer in Swołowo

Von den oben erwähnten Ereignissen wurde auch Swolowo betroffen: der letzte Besitzer des Bauernhofes Nr. 8, Gerhard Albrecht, seine Frau Hertha und Tochter Minna verließen nach 1945 das Dorf und fuhren nach Westdeutschland. Ihren Bauernhof bezog Familie Kowalski - der erste polnische Landwirt auf dem Bauernhof Nr. 8 war Jan Kowalski.

Nachstehend schildern wir kurz die Geschichte des Hofes:

In der ersten Hälfte des 19. Jh. gehörte der hiesige Bauernhof Joachim Albrecht I, in der zweiten Hälfte des 19. Jh. Michael Albrecht, der 195,62 Morgen (50 ha) Land besaß. 1910, als August Albrecht Besitzer war, zählte der Hof acht Gebäude: Haus, Scheune mit Stall, Torhaus, Kellerhaus, Holzschuppen und Haus mit kleiner Scheune, für Tagelöhner. 1914 wurde ein Schuppen für Pferdewagen und Maschinen gebaut.

Ab 1921 waren Gerhard Albrecht und Hertha geb. Schulz Besitzer. Im Hof, von dem 1945 Wohnhäuser für Landarbeiter abgetrennt wurden (Grundstück Nr. 37) gibt es heutzutage 6 frei stehende Gebäude. Vier bilden einen geschlossenen Vierkanthof mit einem - anstelle eines in der ersten Hälfte des 19. Jh. vorhandenen - Torhaus an der Straßenseite. Es wurde im 20. Jh. renoviert, worüber die an einem Balken an der Hofseite angebrachte Inschrift "B.H.G.A.1924 B.M.C.Z." (Bauherr Gerhard Albrecht, 1924, Baumeister C.Z.) informiert.

An der westlichen Seite des Hofes steht das älteste Gebäude - eine Scheune aus Fachwerk, die - wie es am Balken über der Tür steht- 1858 gebaut wurde. Diese ursprünglich große Scheune mit einer Tenne, wurde Ende des 19. Jh. bis an das Haus ausgebaut. Hinten im Hof steht ein eingeschossiges Haus, dessen architektonische Form darauf hinweist, dass es Mitte des 19. Jh. gebaut wurde. In der Frontwand befindet sich ein Balken mit eingeritzter Inschrift "B.H.M.A.+B.M.L.A.". Hinter dem Haus liegt ein Garten, in dem sich ein eingeschossiges Fachwerkhaus mit Keller erhalten hat, das eine Waschküche, Lagerräume für Getreide und Wohnungen für Landarbeiter beherbergte.

Der Zustand des Albrechthofes war schon zum Zeitpunkt seiner Übernahme durch das Mittelpommersche Museum in Slupsk nicht besonders gut, in den letzten Jahren verfiel er immer mehr. In den Jahren 2006-2008 erfolgen intensive Bauarbeiten, um den Hof zu sanieren und im Jahre 2008 für die Besucher vorzubereiten. Die historische Anordnung der Bauernhofgebäude wird erhalten werden und sie werden teilweise neue kulturelle und touristische Funktionen erfüllen.

An dieser Stelle bitten wir um Kontakt und Hilfe aller Personen, die über Informationen, alte Fotografien oder Gegenstände verfügen, die bei der Wiederherstellung des Bauernhofes Nr. 8 und der Geschichte von Swolowo und seiner Umgebung behilflich sein könnten. Das wird genauere ethnographische Forschungen ermöglichen, dessen Ziel die Rekonstruktion der mittelpommerschen Dorfkultur vor und nach 1945 ist.

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